Digitalisierung: Frauen könnten mit Weiterbildung bessere Chancen haben als Männer

Quelle: personalwirtschaft.de 21.6.2019

Eine aktuelle Studie des McKinsey Global Institutes (MGI) hat Automatisierungsszenarien für zehn Länder entwickelt, unter anderem für Deutschland. Danach sind hierzulande Frauen und Männer gleichermaßen von den Auswirkungen der Digitalisierung betroffen. Frauen müssten jedoch stärker in ihre Qualifizierung investieren, um vom Wandel am Arbeitsmarkt zu profitieren.

Laut dem Digitalisierungsszenario für Deutschland könnten bis 2030 bis zu neun illionen Jobs wegfallen. Jeder fünfte Beschäftigte – ob Mann oder Frau – könnte seinen bisherigen Arbeitsplatz durch die Automatisierung verlieren. Gleichzeitig geht das MGI davon aus, dass hierzulande bis zu zehn Millionen neue Jobs durch technologischen Fortschritt und aufgrund demografischer Faktoren entstehen. Hinzu kämen bis zu vier Millionen zusätzliche Jobs in völlig neuen Berufen.

Jede vierte Frau und jeder vierte Mann muss sich weiterbilden

Die Entwicklung in Bereichen wie Künstliche Intelligenz oder Machine Learning wird laut Studie völlig neue Berufsgruppen und Ausbildungszweige hervorbringen. Bis 2030 muss sich danach rund ein Viertel der berufstätigen Frauen (24 Prozent) in neue Berufsfelder einarbeiten oder weiterbilden; bei den Männern ist es sogar fast ein Drittel (32 Prozent).

Die Prognosen sähen für Frauen also besser aus, was die Notwendigkeit zur Weiterbildung betrifft, so die Studie, und von den neuen Berufszweigen und Ausbildungen könnten Frauen und Männer in ähnlichem Ausmaß profitieren, so dass sie durch den Wandel am Arbeitsmarkt insgesamt mehr Vorteile haben könnten als ihre männlichen Kollegen.

Neue Jobprofile setzen höhere Bildung voraus

Trotzdem sehen die Autoren des Reports die Gefahr, dass Frauen die Chancen durch neue Jobprofile nicht in gleichem Maße nutzen könnten wie Männer. Das liege daran, dass Frauen bislang im Niedriglohnsektor überrepräsentiert und in den technischen Berufen und anderen Jobs, die Fachwissen voraussetzen, weniger stark vertreten sind, vor allem im zukunftsträchtigen MINT-Bereich. Die neuen Berufe entstünden aber vor allem in Bereichen und Tätigkeiten, die eine höhere Bildung voraussetzen. In Deutschland erwartet das MGI bis 2030 2,9 Prozent mehr Jobs für Frauen und 5,5 Prozent mehr Jobs für Männer mit einem Universitätsabschluss als heute.

Frauen könnten sich jedoch wegen „gesellschaftlicher Traditionen“ seltener für diese neuen Jobs qualifizieren können, so die Studie. Aufgrund von Kindererziehung sowie unbezahlter Haushalts- und Pflegearbeit hätten sie immer noch weniger Zeit und Möglichkeiten, neue Qualifikationen zu erlangen, sich weiterzubilden oder neue Jobs zu suchen, meint Julia Sperling, Partnerin bei McKinsey.

Frauen und Männer müssen in ihre Qualifikation investieren und bereit sein, ihre Ausbildung den technologischen Entwicklungen und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt anzupassen,

so Sperling. Wenn das nicht gelinge, werde es weniger Chancengerechtigkeit geben als bisher und das bestehende Gehaltsgefälle zwischen den Geschlechtern werde sich noch vergrößern.

Maßnahmen, um Frauen den Zugang zum neuen Arbeitsmarkt zu erleichtern

Damit Frauen von der Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren können, müssten sie unterstützt werden, Familie, Job und Weiterbildung unter einen Hut zu bekommen, rät die Studie. Der Zugang von Mädchen und Frauen zu MINT-Fächern könnte durch Kampagnen, Sponsorings und spezielle Förderprogramme erhöht werden. Frauen, die bereits mitten in ihrer Karriere stehen, müssen darin unterstützt werden, Familie, Job und Weiterbildung unter einen Hut zu bekommen. Wichtig sei es auch, die Mobilität von Frauen zu stärken, mehr Flexibilität und dynamischere Karrierepfade anzubieten.

Der vollständige Report „The future of women at work: Transitions in an age of automation“ steht > hier zum Download bereit.Von:Ute Wolter