Digitalisierung im S-H Koalitionsvertrag

Auszug einer Rede der 1. Vorsitzenden der Mentoren für Unternehmen in Schleswig-Holstein, Dorothee Thomanek, 6.12.2018

Das Land Schleswig-Holstein wird erfolgreich von CDU, Grünen und FDP regiert. Das Wort „Digitalisierung“ steht 65mal im Schleswig-Holsteinischen Koalitionsvertrag der die Vorhaben 2017-2022 regelt. Am 2.7.18 beschloss das Kabinett dazu ein umfangreiches Programm. Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, sowohl digitale Verwaltungsinnovation als auch strukturierte und schnelle Digitalisierung in Schleswig-Holstein zu erreichen. Schleswig-Holstein soll zu einer digitalen Vorzeigeregion werden.

Künstliche Intelligenz – „KI“ – ist das neue Zauberwort der digitalen Gesellschaft. KI soll uns dabei helfen, einen umfassenden Transfer von Forschungsergebnissen in Anwendungen durchzuführen sowie die Modernisierung der Verwaltung umzusetzen. KI soll im Haushalt helfen, unterstützt uns bei der Betreuung unserer Familienangehörigen, hilft fit zu bleiben und zu lernen, und so weiter. KI durchdringt alle Branchen und Bereiche unseres Lebens. In der nahen Zukunft werden lernende Maschinen die Arbeit vieler Menschen erleichtern oder ersetzen, von Erdbeerpflückern*innen, Lastwagenfahrern*innen, Steuerberatern*innen und Maschinenbauern*innen bis hin zu Ärzten*innen und Juristen*innen. Künstliche Intelligenz wird Arbeitsplätze überflüssig machen, andere werden hinzu kommen.

Kleine wie große Unternehmen brauchen dringend bessere IT-, Telekommunikations- und Verkehrsinfrastrukturen. Sie brauchen natürlich auch qualifizierte und motivierte Mitarbeiter*innen, bei denen die „natürliche Intelligenz“ nicht auf der Strecke geblieben ist; denn KI kann nicht alles erledigen. Und da sind wir Frauen ganz vorne. Computer können zwar Schach spielen, Autos steuern und einen Platz im Restaurant reservieren. Aber sie wissen nicht, wie sich das anfühlt und sie können nicht keativ sein!

Die Sicht auf die Digitale Revolution ist vielschichtig: Die einen sehen sie als Heilsbringer, die anderen als drohende Übermacht der Maschinen. Beide Sichtweisen sind nicht geeignet, um sich konstruktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und mitzugestalten.
Wer die Digitalisierung meistern will, ist gut beraten, menschliche und maschinelle Intelligenz konstruktiv miteinander zu verknüpfen. Denn kombiniert sind sie erfolgreicher als für sich allein: Die Zukunft gehört der Allianz von Mensch und Maschine. 

Digitalisierung ist ein Jobstifter, kein Jobkiller

Künstliche Intelligenz wird uns helfen, menschliche Tätigkeiten überflüssig zu machen, die einfach und monoton sind. Damit wird ein Prozess fortgeführt, der bereits mit der Industriegesellschaft begann. Dies wird voraussichtlich nicht im Sinne eines „Wegnehmens von Arbeitsplätzen“ erfolgen, sondern als ständige Verschiebung von unkreativen in kreativere, von isolierten in kommunikativere Tätigkeiten. Das wird nicht reibungslos ablaufen, denn gegen alles Neue regt sich der Widerstand. Es wird aber auch eine Befreiung von Potenzial, das vorher von Routinen unterdrückt wurde. 

Gerade viele Frauenberufe beinhalten menschliche Faktoren und gleichzeitig starke Routinen. Sachbearbeiter*innen verwalten nicht nur Daten, sie sind auch die gute Seele der Firma, Krankenpfleger*innen „pflegen“ nicht einfach nur Kranke, sie stehen in Beziehung mit ihnen. Barkeeper*innen schütteln nicht nur Cocktails, sie praktizieren Seelen-Kommunikation. Journalisten*innen machen nicht nur brisante Themen öffentlich, sie stehen für Wahrheit und Pressefreiheit. Durch KI-Systeme kann Wissen gesammelt und dadurch Raum für menschliche KI – für Empathie – geschaffen werden. KI verschiebt das Berufsspektrum in Richtung höherer Komplexität.

Dabei können traditionelle Berufe, die Gefahr laufen, „zurechtgestutzt“ zu werden, wieder zu ihren Ursprüngen zurückfinden: Ärzte*innen können wieder heilen statt abfertigen. Journalisten*innen wieder recherchieren und deuten statt Informationsfluten zu erzeugen. Pfleger*innen wieder Empathie ausüben statt Patienten zu verwalten. Gleichzeitig bringt das Prinzip der Differenzierung unzählige neue Tätigkeitsfelder hervor: Plattform- und Architektur-Experten*innen, Mediatoren*innen und Moderatoren*innen, Digitalisierungserklärer*innen, Coaches und Lebensbegleiter, Traffic-Manager und Gesundheits-Provider*innen, Achtsamkeits-Agenten*innen und Schönheits-Designer*innen. Die Anzahl dieser Berufe wird die Anzahl der Tätigkeiten der Industriegesellschaft übersteigen und eine Freisetzung menschlicher Kreativität ermöglichen. 

All diese Prozesse erfordern den klugen Einsatz von KI sowie ein gesundes menschliches Selbstbewusstsein. Über kurz oder lang wird es dazu führen, dass wir uns vom Joch industrieller Lohnarbeit mit ihren vielen funktionalen Zwängen emanzipieren können.  Der digitale Wandel erleichtert es Unternehmen zunehmend, ressourcenschonende und umweltfreundliche Geschäftsmodelle und -prozesse effizient umzusetzen.

Mit papierloser Administration, E-Learning, Tätigkeiten im Home-Office, Online-Trainings, Telemedizin und Maßnahmen des Energie-Managements, E-Government und Open Data, Smart Farming, Ausbau von Intelligenten Stromnetzen (Smart-Grids) – um nur einige Beispiel zu nennen, werden wir unsere Chancen nutzen. Die Digitalisierung wird mit einer Stärkung von Arbeitnehmerrechten im Sinne einer besseren Zeitsouveränität und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf einhergehen, Möglichkeiten flexibler Arbeitszeitmodelle schaffen, ebenso neue Beschäftigungschancen wie ortsunabhängige Arbeitsgestaltungen (zum Beispiel im Home-Office und Coworking-Spaces). Die Zukunft hat begonnen: Ich habe das Vertrauen in unsere Jamaika-Regierung und freue mich, mitgestalten zu können. Los geht’s!